Ausbildung zur Kangatrainerin oder gibt es eine Steigerung von Multitasking?

Die erste Nacht in Wien war grausam! Annabelle hing mir fast permanent an der Dockingstation und es war tierisch eng zu zweit auf einer Matratze! Ich gehöre nicht zu den Müttern die so schlafen können. Soll es ja geben. Also ging es absolut unausgeschlafen zum ersten Kurstag. Ach ja, ich erwähnte es noch nicht: Ich lass mich hier zur Kangatrainerin ausbilden. Dies ist in Berlin leider noch Mangelware und das möchte ich ändern.
Einige Mütter kamen mit Baby, andere ohne Kind und alle machten einen sehr lockeren, netten Eindruck. Auch die Kursleiterin und gleichzeitig Gründerin des Kangatrainings ist super drauf. Soweit alles schick. Aber versuche dich mal im theoretischen Teil zu konzentrieren und mitzuschreiben, wenn du dich gleichzeitig noch um ein Baby kümmern musst! Ich hätte die Tage eigentlich sehr viel lernen können: über Anatomie, Beckenboden, Post-natales Training…und vieles mehr! Leider ist vieles an mir vorbei gerauscht, da Annabelle fast durchgehend meine Aufmerksamkeit verlangte. Ich versuchte also den Spagat zwischen Student und Mama sein und das ist alles andere als einfach! So schuckelte ich beispielsweise mein Baby tänzelnd in der Tragehilfe in den Schlaf, während ich gleichzeitig fast in der Luft schwebend den “Musculus obliquus externus abdominis” bunt zeichnete. Wir Frauen sind für unsere multitasking Fähigkeiten bekannt, aber das hier geht eindeutig zu weit! Es ist toll, dass es die Möglichkeit gibt, sein Baby mit zur Ausbildung zu bringen und mit etwas älteren Kindern war es auch sichtlich besser möglich. Aber in meinem Fall, mit einem so gut wie noch voll gestillten, 6 Monate jungen Baby, welches sich gegen jegliche Fremdbetreuung wehrt, ist es schier unmöglich. Und wenn man sich nach einem 8 Stunden Tag, wobei die Hälfte aus Sport bestand, nur noch auf die Dusche und das Bett freut, dann hast du trotzdem teilweise jede Stunde in der Nacht stramm zu stehen, weil dein Baby den Tag in der Nacht verarbeitet. Ich weiß definitiv, was ich getan habe nach dieser knappen Woche und es ist viel aufzuarbeiten zu Hause.
Aber jetzt zieh ich das Ding durch und freue mich schon auf meine hoffentlich ausgebuchten Kurse in Berlin! Der Stress muss sich hier lohnen!

Fliegen und Wohnen

Alleine fliegen mit Baby! Man war ich aufgeregt. Kaum hat mich mein Süßer allein am CheckIn zurück gelassen, wurde mir urplötzlich schlecht. Das Fliegen an sich, sollte ich rein berufsbedingt gewöhnt sein. Aber mit so einem kleinen Schatz im Schlepptau und einer riesen Verantwortung und dazu noch meine große, kleine Emilie zurück lassen…das liegt schwer im Magen.
Das freundliche Bodenpersonal wies mir Platz 1A zu und somit hatten wir schonmal etwas mehr Platz. Da Annabelle es recht langweilig fand, angeschnallt auf meinem Schoß zu “sitzen”, streckte sie sich in alle Richtungen und fing an ihre Lautstärke kurz vor dem Start zu steigern. Ich zog also meinen Joker und dockte sie an. Ist gar nicht so einfach ein 6 Monate altes Baby von einer schon stattlichen Körperlänge, auf einem engen Flugzeugsitz zu stillen. Ich versuchte mich schräg hinzusetzen um meinem Sitznachbar nicht gleichzeitig nen Latte Macchiato aufdrängen zu müssen. Während des Abhebens schlummerte Annabelle in die Wolken und ich saß den halben Flug völlig verkrampft, damit sie ja nicht aufwacht! Den Weckdienst übernahmen die zahlreichen Ansagen im Flieger und somit landeten wir auch wieder angedockt um die Ruhe zu bewahren und gleichzeitig Annabelles Druckausgleich zu gewährleisten.
Nachdem ich einige Kilometer im Wiener Flughafen zurück gelegt hatte, erspähte ich bei der Gepäckausgabe auch schon meinen knall pinken Koffer und verkrümelte mich mit Annabelle erstmal an die nächste Wickelstation. Wenn man vorne das Kind trägt, hinten nen Rucksack und mit der Hand nen riesen Koffer rollt, dann kommt man schonmal ins Schwitzen. Also weg mit der Jacke und ab in die Bahn Richtung City. Nun noch ein Stück mit dem Taxi und schon stand ich vor meiner Wohnung. Hier soll ich nun 5 Tage schlafen. In einem Zimmer mit noch einer Mama und noch einem Baby. Moment Mal. Es reicht schon, dass mich mein eigenes Baby mehrmals die Nacht weckt…da brauche ich nicht noch eins! Also ab mit der Matratze ins Wohnzimmer. Ja, EINE Matratze. Für mich und mein Baby…das wird eng. Und hell wird es auch! Befinde mich mitten in der City, hab ne Laterne vorm Fenster und hellerleuchtete Schaufenster. Und nun macht die Mama nebenan auch noch den Inhalationsapparat für ihren Sohn an…alles untermalt von dudeliger Babymusik. Gute Nacht!

21…22…23…einatmen, ausatmen und Ruhe bewahren

Wie lange kann ein Spaziergang dauern?! Mit einem 2 jährigen Kind gut zehn mal so lange! Eigentlich wollten meine Cousine, meine Schwägerin, meine zwei Töchter und ich nur mal eben schnell zum Lebensmittelgeschäft um die Ecke. Daraus wurde ein fast endloses Drama! Fröhlich zogen wir zunächst los. Die großen per Fuß, die Kleine auf dem Dreirad und die ganz kleine im Beutel. Bei schönstem Sonnenschein frönten wir uns der Sommerluft bis plötzlich Emilie keine Lust mehr auf ihren fahrbaren Untersatz hatte. Gut, dann läuft sie eben. Nein, so einfach funktioniert das nicht. Lieber zu Mama auf den Arm…ach, da ist ja schon besetzt…Tante trägt das Dreirad, also muss die Großcousine ran. Wie erreicht man dieses Ziel? Solange heulen, bis sie sich anbietet!
Bei gut 15 Kilo kann man so allerdings keine große Strecke zurücklegen. Also musste die kleine Lady immer mal wieder zum selber Laufen motiviert werden. Unser Weg wurde immer wieder unterbrochen durch ein streikendes, schreiendes und sitzendes Kleinkind. Es wurden wieder alle Register gezogen um ans Ziel zu gelangen: Wettrennen, Teilziele wurden gesteckt, Erklärungen, sitzen lassen und weiter gehen…ich sag euch, das war ne Tortur! Endlich am Wunschziel angekommen, wappnete ich mich natürlich gleich mit Leckerlies für den Rückweg zum Locken. Am liebsten hätte ich sie einfach im Einkaufswagen nach Hause geschoben. Das war mir dann aber doch zu…hässlich. Solange sie also das Schokoeis in der Hand hatte und die Brezel war alles gut. Ich hatte einfach zu wenig Lockmittel eingepackt! Fataler Fehler! Es wurde wieder gesessen und gestreikt. Meine, sich im Teenager-Alter befindende, Cousine war fix und alle und schlenderte erschöpft voraus. Bis letztendlich die Tante “Supernanny-like” mit Emilie auf Augenhöhe redete und sie schließlich halb nach Hause schleifen konnte. Alles begleitet von leisem Trotz-Schluchzen. Wann hat diese Phase endlich ein Ende?!

Flasche für Anfänger

Dem Baby die Flasche zu geben hört sich immer so einfach an. Milchpulver anrühren, zack fertig. Ich habe keine Erfahrung damit, da ich beide Mädchen gestillt habe, bzw. Annabelle immer noch.
Da meine Nahrungsaufnahme krankheitsbedingt in den letzten Tagen gen Null lief, war nun auch langsam Ebbe mit der guten Muttermilch. Dazu kam die fehlende Ruhe und trotz gefühltem Dauerstillen ackerte Annabelle so unzufrieden beim Trinken, dass ich befürchtete, sie muss Hunger und Durst Erleiden. Ein Anruf bei meiner Lieblingshebamme ergab, dass ich uns doch mal 2-3 Tage Ruhe gönnen sollte und Annabelle eine Flaschenmahlzeit am Tag geben soll.
Meine Kinderärztin meinte zwar, ich brauche mir keine Sorgen machen, die Frauen in Afrika leiden Hunger und bekommen ihre Kinder trotzdem mit ausschließlichem Stillen durch, aber es geht ja lediglich um eine kleine Ruhepause.
Also wurde die absolut überteuerte Pulvermilch gekauft. Ich war vollkommen überfordert mit der Zubereitung. Ich habe mir die Abendmahlzeit ausgesucht, weil ich mir davon einen längeren Nachtschlaf erhoffte…man hört ja immer so einiges über die supersättigende Pulvermilch. Also hatte ich das bereits müde Baby auf dem Arm und balancierte einhändig Messlöffel, Pulver und Flasche. Diese musste natürlich vorher noch ausgekocht werden. Nun sollte ich das abgekochte Wasser für die Milch zunächst auf 40 Grad abkühlen lassen, dann Pulver dazugeben und bei 37 Grad sofort füttern. Klar! Habe ich nen Thermometer im Finger? Woher soll ich DAS denn jetzt wissen? Ich machte den Selbsttest….boah, das Zeug stinkt abscheulich! Also lieber auf den Puls träufeln. Also diese Prozedur ist wahrscheinlich nur eine Organisationssache und braucht etwas Übung. Aber Stillen ist eindeutig unkomplizierter!
Annabelle durfte zunächst an die gewohnte Milchbar und als sie anfing zu zerren und zu ziehen, kam ich mit dem Zauberfläschchen. Sie machte große Augen und knatschte auf dem Sauger rum. Und schließlich leerte sich das Fläschchen mehr und mehr. Na klappt ja super, dachte ich. Bis ich bemerkte, dass der komplette Schlafsack und auch der Schlafanzug von ihr mit Milch getränkt war. Na supi, die Flasche war irgendwie undicht. So ein Mist. Nochmal gab ich mir diese Aktion nicht und Annabelle schlummerte schließlich wie gewohnt an Mamas Brust ein.
Puh, ich dachte ja schon wieder das eine oder andere Mal ans Abstillen. Wenn sie beispielsweise jede Stunde Nachts wach wird oder mit ihren zwei Zähnchen meint zubeißen zu müssen. Allerdings würde das irgendwie auch ungemütlich werden. Also lieber doch nicht…ist ja auch eh gesünder. Und Emilie kam schließlich auch 9 Monate in dem Genuss, das wäre ja ungerecht.
Wie macht ihr das? Welches Equipment würdet ihr empfehlen und welche Routinen habt ihr entwickelt? Stinkt eure Milch auch so? Also diese Flaschenmilch meine ich.
Irgendwie fühlte ich mich auch komisch beim Füttern. Sah irgendwie so…anders aus, einfach ungewohnt. Naja, war ein Versuch.

Krank mit Kind

Was macht Frau, wenn sie krank ist und die zwei kleinen Ladies auch? Augen auf und durch! Denn Augen zu machen, konnte ich nicht oft in den letzten Tagen. Kann man denn nicht mal in Ruhe krank sein?! Nein, nicht mit zwei kleinen Kindern und vor allem auch nicht, wenn die beiden es einem gleich tun und voll in den Seilen hängen.
Wie sich rausstellte, war es keine Impfreaktion bei Annabelle, sondern ein übler Magen-Darm-Virus. Am Montag haute er MICH dann aus den Socken. Ich wusste nicht, welche Seite meines Körpers ich zuerst über die Keramik hängen sollte und schleppte mich schwächelnd durch den Vormittag. Annabelle wurde zwangsgestillt, damit ich wenigstens liegen konnte und das machte sie zum Glück ganz gut mit. Sie ist ja eigentlich ein absolutes Tragetier, aber das konnte ich beim besten Willen nicht leisten. Da sich das Verhältnis zwischen Nahrungsaufnahme und Entleerung nicht mehr in der Waage hielt, hatte ich Kreislauf! Also musste Baby wohl oder übel mit mir abhängen. Nachmittags konnte glücklicher Weise meine Mama aushelfen und holte Emilie aus der Kita ab und nahm sie mit zu sich. Ach und solche Nächte, wo das Baby alle zwei Stunden trinken möchte, sind dann auch wundervoll in diesem Zustand! Wie war das mit dem gesund schlafen?
Der Gipfel war allerdings noch nicht erreicht. Donnerstag Nacht traf es dann auch noch Emilie und zwischen den Stillmahlzeiten von Annabelle war ich damit beschäftigt, Emilies Bett immer wieder neu zu beziehen. Ihr könnt euch denken warum. Basti verbrachte die Nacht bei ihr auf dem Fußboden und lag sich den Rücken krumm. Mir dämmerte langsam, dass ich am nächsten Tag also zwei kränkelnde Minis zu Hause haben werde und ich suchte nach einem Plan. Die Oma wurde notfallmäßig aktiviert und war mir ein wahrer Segen. Emilie fieberte ordentlich hoch und schlief fast den ganzen Tag. Ich wüsste nicht, wie ich das allein hätte schaffen sollen! Die Oma schaukelte Annabelle, wenn ich rennen musste, streichelte Emilie in den Schlaf und fuhr zur Apotheke, als alle schliefen. Unbezahlbar!
Nun plagen uns noch einige Restbeschwerden, aber alle sind auf dem Weg der Besserung. Wahrscheinlich eine Frage der Zeit, wann es Basti trifft…und der leidet dann natürlich doppelt. Ist ja ein Mann. Positiv zu erwähnen sind meine drei geschmolzenen Kilos. Allerdings sind die bekanntlich schneller wieder drauf als man denkt.
Bleibt schön gesund!

Durchgemacht

Von Freitag auf Samstag hab ich mal wieder ordentlich die Nacht durchgemacht. Leider nicht mit Musik in den Füßen und Drinks im Blut sondern mit einem fiebernden und schlaflosen Baby. Und alles nur wegen der blöden Impfung am Mittwoch.
Ich habe es mir gerade mit lecker Pistazien-Eis und meinem Basti auf der Couch gemütlich gemacht um die tolle Olympia Eröffnungsveranstaltung zu bestaunen, da meldete sich gegen 22:30 das Babyphone. Oben fand ich dann Annabelle tranceähnlich und glühend im Bettchen. Erst dachte ich, sie schläft nochmal ein, jedoch dann blubberte es kräftig in der Windel und ich musste zur Tat schreiten. Jetzt war sie natürlich erstmal wach. Allerdings schlummert sie ja an der Milchbar schnell wieder ein. Das tat sie auch, jedoch sobald ich sie wieder vorsichtig in ihr Bett gleiten lies und sie die Matratze berührte wurde laut protestiert. Dieses Spielchen wiederholten wir einige Male, unterbrochen von Windeldonnern. Dünnpfiff hatte sie also auch und wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man vermuten, es gab Avocadobrei zuvor. Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Um ihr die verlorene Flüssigkeit wiederzugeben, musste ich nun herhalten und da sie das Stillen im Liegen verweigerte, saß ich bis 3:30 im Bett und mein Kopf kippte abwechselnd nach vorn oder nach hinten. Sie schlief einfach nicht! Also ab, runter und rein in den Bondolino mit ihr. Sie schlief sofort. Nach 20 Minuten traute ich mich, sie in den Stubenwagen zu manövrieren. Dummer Fehler. Sie schrie wie am Spieß. Puh…meine Augen fühlten sich an, als wären sie mit Sandpapier behandelt worden, meine Knochen waren schwer und ich sehnte mich nach meinem Bett. Also wieder rein in den Beutel mit ihr und durchs Wohnzimmer geschlurft. Ich heckte den nächsten Plan aus und baute mir auf der Couch eine Vorrichtung, wo ich halb sitzend, halb liegend mit Baby vorm Bauch geschnallt, mich wenigstens ein wenig ausruhen könnte. Es funktionierte! Allerdings nur 10 Minuten. Ich war am Ende. Was kann ich nur tun?! Wir probierten es noch ein paar mal nuckelnd und liegend auf der Couch. Annabelle schlief dabei immer mal wieder weg und ich lag so ungünstig, dass mir der Rücken brannte. Hauptsache SIE schläft. Um 7:00 lief ich dann mal wieder mit ihr auf dem Arm auf und ab, als Basti runterkam. Ich gab das heiße Bündel ab und schleppte mich nach oben ins Bett. Ich ließ mich tief in die Matratze einsinken und meine Muskeln und Knochen atmeten auf. Bis ich plötzlich ein Geräusch aus dem Nebenzimmer hörte. Emilie. Guten Morgen.

Oje, ich wachse

Kennt ihr dieses Buch? Darin werden die Wachstumsschübe der Kinder beschrieben, wann sie stattfinden und was das Baby danach neues kann. Diese Schübe sind ungefähr bei allen Babys zum gleichen Zeitpunkt und gehen immer mit Unruhe und vermehrtem Schreien einher. Jedes Baby reagiert anders. Bei Annabelle passt es gerade wie die Faust aufs Auge und wir befinden uns mit der 17. Woche mitten in einer dunklen Gewitterwolke. Mein sonst so genügsames Babychen möchte sich nicht mehr ablegen lassen und schreit gerne mal minutenlang ohne, dass ich sie beruhigen kann. Bedeutet für mich, ich habe extrem Rücken, weil ich sie quasi pausenlos trage und meine Nerven liegen etwas blank. Es hält sich alles zwar noch in Grenzen, aber wenn einen die Tochter sonst so mit ihrer pflegeleichten Art verwöhnt, ist das schonmal irritierend und anstrengend. Das Haus sieht aus wie Sau, weil ich zu nix komme und ich renn rum wie vom Winde verweht.
Ach und eine neue Fähigkeit probiert sie gerade hier neben mir aus. Eigentlich sollte sie schlafen, allerdings kann sie nun supertolle, hohe und schrille Töne von sich geben. Das wird nun gerne vorm nächtlichen Schlaf eingeübt. Wundert mich, dass Emilie nebenan dabei einschlafen kann.
Also ich hoffe, dass bald wieder die Sonne scheint und die stürmische Zeit schnell vorüber geht, damit ich wieder chillen kann ;)
Wie machen sich bei euren Minis diese Schübe bemerkbar? Emilie hing mir dann immer pausenlos an der Brust. Schlafen eure schlechter? Trinken sie weniger? Oder wie, oder was?

Nackt

So, jetzt ziehen wir uns mal alle nackig aus, legen uns auf den Boden und pullern drauf laus. Hört sich pervers an? Ist es nicht! Heute war der große Tag, wo Annabelle ihren ersten Kurs besuchen durfte. Pekip. Ihr kennt das sicher. Die Mutti von heute hat wenigstens schonmal was davon gehört. Ich bin schon Pekip-Profi, denn es ist noch gar nicht so lange her, da lag noch meine Emilie mit ihren Speckröllchen auf der Matte und wurde besungen und bespaßt. Ich trällerte also gekonnt alle Liedchen rauf und runter mit den dazugehörigen Fingerspielchen, während andere Mütter dabei auf die Liedtexte schielten. Annabelle interessierte sich wenig für das Spielzeugrepertoire, welches ich ihr vor die Nase halten sollte. Laaangweilig, dachte sie sich wohl. Ich zeig den Babys erstmal, wie toll ich mich schon auf den Bauch drehen kann. Na kommt schon! Wer macht mit? Niemand? Ha! Ganz ehrlich, eigentlich ist es doch ein weiblicher Schwanzvergleich (entschuldigt bitte die Ausdrucksweise) bei solchen Kursen. Mein Kind kann höher, schneller, weiter und vor allem viel früher, als eure Babys! So fühlte ich mich jedenfalls bei meinem ersten Pekip Kurs. Nur konnten wir nicht wirklich mithalten, da Emilie sich lieber mit den kleinen und unauffälligen Dingen beschäftigte. Da sagt keiner: “Oh toll, sie kann schon Korken in eine Flasche tun und wieder rausfummeln.” Da zählen nur harte Fakten wie drehen, robben, krabbeln, laufen. Damit ließ sie sich lieber Zeit.
Anders als nun Annabelle. Sie will die Gruppe ordentlich aufmischen und war durchgehend damit beschäftigt ne Rolle zu drehen. Und ich war nur damit beschäftigt ihre Pfützen zu beseitigen und zu schwitzen. Denn der Raum war dermaßen aufgeheizt für die kleinen Nackedeis, dass man Schnappatmung bekam. Nächstes mal komm ich im Bikini…oder lieber doch nicht.

Generationenwechsel

Ich berichtete schon einmal von der magischen Verbindung zwischen Oma und Enkel, bzw Urenkel. Aus aktuellem Anlass, brennt es mir auf der Seele, noch ein paar Worte darüber zu verlieren.
Meine liebe Oma landete zum wiederholtem Male im Krankenhaus gestern. Schlaganfall. Der Zweite. Die Sorge um sie war unwahrscheinlich groß und ist noch nicht ganz überstanden. Sie hat sich wieder gut erholt, aber das konnte gestern noch keiner ahnen. Dieser Zustand entlockte mir viele neue Gedanken und Gefühle.
Als Kind war ich immer gerne bei meiner Oma und meinem Opa und freute mich riesig, wenn sie uns besuchen kamen. Sie schenkten mir und meinem Bruder immer die ungeteilte Aufmerksamkeit, waren interessiert, liebevoll und lustig. Es war ein aufregendes Erlebnis, wenn wir mal bei ihnen übernachten durften. Bei Oma gab es immer unwahrscheinlich süßen und leckeren Tee zum Abendbrot und sogar süßen Salat! Und wenn wir ganz, ganz schnell waren, durften wir uns ein Eis aus dem Gefrierschrank holen. Jedes Jahr zum Geburtstag, klingelt das Telefon und Oma spielt ein Ständchen auf der Knautsche (Akkordeon). Es ist immer wieder etwas ganz besonderes, wenn du so ein kleines Privatkonzert bekommst.
Als meine erste Tochter geboren war, machte ich meine Oma zur Uroma. Mein Opa durfte es leider nicht mehr erleben. Sie studierte jede Bewegung, erfreute sich an jedem Ton aus ihrem Mündchen und war einfach nur selig, wenn sie bei ihr war. So nun auch bei meiner zweiten Tochter. Man braucht meine Oma einfach nur auf einen Stuhl setzen, Urenkel drumherum und sie ist überglücklich und träumt nachts von ihnen. Auch Emilie freut sich, wenn Uroma sie pausenlos bestaunt und Annabelle lächelt sie fröhlig an.
Was verändert sich, wenn sie irgendwann nicht mehr da ist? Wenn meine Mama keine Mama mehr hat? Auch wenn meine Mama die letzten Jahre mehr für sie da war, als umgekehrt, fehlt ihr doch der Rückhalt? Dann bin ich in dieser Rolle. Langsam wird sich alles verändern und irgendwann bin ich für meine Mama da, wie sie es für ihre ist. Kann ich dann noch unbeschwert einfach nur Tochter sein? Ein Wirrwarr von Gedanken gehen momentan durch meinen Kopf. Ich hoffe, meine Oma bleibt noch lange, lange bei uns und bereichert die Familie mit ihrer positiven Lebenseinstellung und ihrem unbeschwerten Kämpfergeist. Wie wird es sein, wenn eine Generation wegfällt? Kann ich für meine Mama da sein, wie sie es braucht? Ich muss…denn sie hat es verdient. Meine Mama ist der Anker der Familie. Für mich, meine Oma und meine Töchter ist sie jederzeit da und gibt ihr letztes Hemd. Irgendwann bin ich in dieser Position. Ich weiß nicht, ob ich schon die Kraft dafür habe. Ich fühl mich noch so…klein.

Unterschiede

Schon im Krankenhaus fing es an. Annabelle wurde vermessen und sofort starteten die Vergleiche mit dem ersten Kind. “Ach, Emilie war genauso lang, hatte aber etwas weniger Gewicht.” Ebenso schnell fiel mir allerdings auch auf, wie blöd es eigentlich ist, zu vergleichen. Hier habe ich nun einen völlig neuen Menschen mit eigenen Merkmalen und Eigenheiten. Trotzdem wird weiter verglichen. Sieht sie ihrer Schwester ähnlich? Ja, schon. Aber eben auch ganz anders. Auch ihr Wesen ist ganz unterschiedlich. Sie ist sehr ruhig und genügsam, wohingegen Emilie leider viel schreien musste, wegen Bauchweh oder was auch immer. Wir machten Kopfstände um ihr in den Schlaf zu helfen und Annabelle legt man manchmal irgendwo hin um kurz was zu erledigen und wenn man wiederkommt…schläft sie. Ich bin auch überzeugt davon, dass die Geburt viel damit zu tun hat, wie die erste Babyzeit verläuft. Emilie hatte eine schwere Geburt und das ist ja nunmal ein denkbar schwerer Start ins Leben. Kein Wunder, wenn man da erstmal ne Weile drunter leidet. Bei Annabelle ging alles ganz schnell und problemlos und wir konnten gemeinsam in Ruhe die erste Zeit verleben. Aber ich schweife ab…
Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich man Geburt, Wochenbett und die erste Babyzeit erleben kann. Klar kommt sicher auch dazu, dass man beim zweiten Kind die nötige Gebrauchsanleitung zur Hand hat und einfach viel gelassener an alles ran geht. Vor allem hilft das Wissen: es handelt sich alles nur um Phasen und geht wieder vorbei. Und genau das Wissen darum, lässt es einen die Zeit auch mehr genießen…denn sie kehrt nie wieder! Irgendwann lässt sich dein Kind von dir nicht mehr knuddeln und abknutschen, lächelt dich an, bloß weil du es anschaust und ist immer bei dir. Dann stehst du da mit deinen Gesellschaftsspielen und niemand hat Bock mit Mama und Papa Mensch ärgere dich nicht oder Monopoly zu spielen. So geschehen bei meiner Nachbarin mit ihren 7 und 8 Jahre alten Kindern.
Eigentlich war ich ja bei den Vergleichen. Ich bin gespannt, wie Annabelle sich entwickeln wird. Emilie hat schon früh viel gequatscht, ist aber erst mit 19 Monaten gelaufen. Annabelle dreht sich nun mit ihren 3 Monaten schon auf den Bauch und wenn das so rasant weiter geht, haben wir wohl eine Minimini-Läuferin.
Auch die Liebe zu den Kindern entwickelt sich ganz anders. Einen Freundin sagte zu mit: “Du brauchst keine Angst haben, dass du deine Liebe teilen musst…sie wird sich verdoppeln.” So ist es auch, aber nicht gleich. Die Liebe wird von Tag zu Tag mehr. Ich war bei beiden Kindern nicht die Mama, die schon ihren Babybauch abgöttisch geliebt hat. Ich kannte doch dieses kleine Kind noch garnicht! Klar wächst es in mir und gehört zu mir. Aber erst, als ich es in den Armen hielt und es sah und spürte, ging mein Herz richtig auf. Und die Liebe entwickelte sich unterschiedlich schnell. Nach meiner ersten Geburt ging es mirvlange schlecht und auch Emilie hatte zu kämpfen. Das machte es unserer Beziehung nicht leicht. Ich spürte zunächst eher eine sorgenvolle, erdrückende Liebe. Ich konnte sie keine Minute aus den Augen lassen, aber konnte sie auch nicht unbeschwert genießen, weil ich auch sehr mit mir selbst beschäftigt war und überrumpelt von meinem neuen Leben.
Annabelle machte es mir leicht und die Liebe entwickelte sich schneller zu einer warmen, tiefen und liebevollen Verbindung. Diese war bei Emilie auch schon vorhanden, kam aber erst nach und nach aus mir raus und konnte gelebt werden.
Es bereitet mir sehr viel Freude, einen kleinen, süßen und einzigartigen Wirbelwind und ein freundliches Knuddelbaby zu Hause zu haben. Bin gespannt auf die kommenden Jahre mit meinen
Ladies…und natürlich meinem großen Gentleman.